Hier
Hereinspaziert, herzlich willkommen, hier bist du nie am falschen Ort. Bleib hier, verweile. Du wirst sehen, hier ist Platz für alle. Platz für die heitersten als auch die traurigsten deiner Zeilen. Spür’ das Knarren der Dielen, wenn du sie auch nicht hörst, sie sind Spiegel deiner Schmerzen, die hier keine sind mehr. Im Rhythmus des Pochens der Herzen und des Plätscherns der Quellen spielt hier die Musik der Zukunft. Hier kannst du nicht stören, nur betören die Sinne. Innehalten. Einkehren in die Stille.
Hier verschmelzen die dunklen deiner Seiten mit deinen hellen, die sachten deiner Töne mit deinen grellen. Hier stellen wir Fragen ausschliesslich des Fragens wegen, den Antworten zum Trotz. Hier wartet keiner auf keinen, denn jedem das seine. Hier wird der Grosse zum Kleinen, Macht wird zu Ohnmacht, um Platz zu schaffen für das, was uns Angst macht: Liebe und Neuanfang. Die Risse im Holz? Falscher Stolz, hier vor dem Antlitz seiner Verwundbarkeit entblösst und blossgestellt. Hier wird nichts abgerissen, und doch Neues geboren.
Rette sich wer kann, hier hinein, vor sich selbst, zuerst, und dann vor seinen Geistern, hier in ihrer vollen Pracht als Wesen anwesend, von Verwesen keine Spur. Keiner ist hier gewesen, alle sind und alle werden. Die Geister sind hier Geister der Zukunft, hier, um zu bleiben, beleibt und betrunken. Sie drücken den Rücken in die vergreisten Stühle, ins Eisen der Mühle deiner Gedanken, die zu zermahlen dich drohen, rücken ins Rampenlicht deiner Gefühle. Hier nehmen sie Gestalt an, sie sind da, um zu bleiben.
Verrückt? Alle hier ein bisschen, vom Dunkeln der Gegenwart und dem Licht des Vergangenen hinein in die Graustufen der Zukunft, wo Zuflucht es keine gibt, aber Sorgen doch auch nicht. Denn wen kümmert das Morgen, wenn die Nacht hier zum Tag wird? Katzen sind hier grau nicht, sondern farbig, prächtig, trächtig mit Hoffnung.
Hier wird gepoltert, getanzt, auf fliegenden Tischen, hier tanzen die Fliegen mit, ungeniert, hier fliegen die Beine und die Fäuste, kein Platz hier fürs Trennen und fürs Rennen erst recht nicht, hier wird gemischt, denn Mischen ist prächtig. Hier wird gestossen, angestossen, Klirren und Ching-Ching verstossen hier Bling-Bling, und manchmal, ja manchmal fliegen die Fetzen und die Scherben, manchmal fliesst das Blut aus den Adern in den Flur hinaus – Öl für die Dielen, die ächzenden schiefen. Schielen ist hier der einzige Weg, um richtig durchzublicken.
Wo Gott sei, fragst du, verwirrt, verirrt, geirrt hättest du dich. Nein, überhaupt nicht, du bist am richtigen Ort, am einzig richtigen, denn Gott ist hier, du wirst sehen, und genauso der Teufel. Lass sie leben die Geister, wo sie es sonst doch nicht dürfen, verdrängt und versteckt in der Leere deiner Seele. Zehre hier vom Weichen der Schwere, das Platz lässt dem Leichten, dem Weichen. Gott ist hier, häng die Suche nach ihm oder ihr an einen der Nägel der umher schwebenden Balken. Halte ein, Halt brauchst du hier keinen. Lass sein, lass sie sein, lass dich gehen, lass dich sein, lass sie rein, du wirst schon sehen, es gibt keinen Grund zur Sorge. Denn wen kümmert schon das Morgen, wenn die Nacht hier zum Tag wird?